Motivkonzeption
Warum
diese Partie, warum dieses Motiv?
(1990:)
Freiluftschach heißt Schach nach draußen verlegt, in die Natur, ins
Grüne. In diesem Fall in eine idyllische und friedliche Parklandschaft.
Schach wird in diesem Gemälde zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen
Lebens mitten in der Natur - und wird so zur Begegnung. Nicht nur zur
Begegnung der Spieler untereinander, sondern auch zur Begegnung mit den
Zuschauern.
Schach
spielt sich in diesem Gemälde dort ab, wo sich auch im Park etwas
abspielt. Schach kommt in diesem Fall den Leuten entgegen. Die Zuschauer
müssen nicht wie üblich in ein Cafe oder einen Turniersaal gehen, um
dann vielleicht in der 3. Reihe fast nichts vom Spielgeschehen zu sehen.
Schach ist dort, wo sich die Leute erholen, wo sie ausspannen, mitten im
Grünen. Wo sie für kurze Zeit weg vom Alltag sind und sich gedanklich
mit etwas Anderem beschäftigen können.
Schach
war und ist ein Mythos, der im Computerzeitalter leider ein wenig
entzaubert wird. Gibt es ein noch so verzwicktes Stellungsproblem, der
Computer löst es! Mit Millionen Rechenoperationen pro Sekunde werden
Schachstellungen durchkalkuliert und die meist exakte Lösung in
Sekundenschnelle aufgezeigt.
Im
Gegensatz zu dieser technisch geprägten Situation führt uns dieses
Gemälde zurück zum Anfang unseres Jahrhunderts, ins Jahr 1912, in eine
Zeit, in der das Unberechenbare, das Überraschende und Gewagte im Schach
noch mehr Spielraum hatte. Nicht jede Variante war damals schon
ausanalysiert und nicht jeder Eröffnungszug bereits katalogisiert, wie es
heute der Fall ist. Der Computer lässt grüßen. Schach war damals noch
etwas Mystisches, Geniales und Kunstvolles.
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Schach verbindet
Schach verbindet - auch das sollte mit diesem Gemälde ausgedrückt
werden. Wohl selten gibt es ein Hobby, eine Sportart, auf die das
Verbindende so zutrifft. Schach ist sowohl Einzel-, als auch
Mannschaftsspiel und verbindet auf dieser Basis Menschen, Völker und
ganze Nationen.
Nicht
umsonst wird Schach auch als das "Königliche Spiel" bezeichnet.
Kein anderes Spiel hat auch nur annähernd diese Größe, diese Vielfalt
und Schönheit, diese Tiefe und auch diese positive Bedeutung wie Schach.
Das königliche Spiel ist gewaltloser Kampf. Kampf mit den Mitteln des
Geistes über die Materie. Das Verbindende im Schach ist auch die
internationale Verständlichkeit. Um mit einem fremdländischen Partner
Schach spielen zu können, bedarf es keines Dolmetschers oder anderer
Hilfsmittel. Schach verbindet die Menschen aller sozialer Schichten und
aller Rassen jeden Alters. Schach schafft das wie wohl kein anderes Spiel
auf der Welt. Schach als geistiges band zwischen Menschen, auch wenn sie
nicht die gleiche Sprache sprechen, nicht der gleichen Nation oder
Religion und nicht der gleichen sozialen Schicht angehören. Schach als
echtes und bedeutsames Bindeglied.
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Das zentrale Schachbrett
Diese Eigenschaft des Königlichen Spiels zeigt das kunstvolle Ölgemälde
"Freiluftschach 1912" auf sehr subtile und beeindruckende Weise.
Wie ein Magnet zieht das zentrale überdimensionale Schachbrett jung und
alt, arm und reich in seinen Bann. Für den Augenblick vielleicht nur,
aber alle scharen sich um das Spielfeld, alles dreht sich um die beiden
Spieler und um die momentane Stellung. Man spürt förmlich die Spannung,
die um den nächsten Zug entstanden ist. Die Stellung sieht bedenklich
aus. Was wird Schwarz ziehen? (siehe nächste Seiten).
Im
Gegensatz zur Stellung strahlt die Parkszene Ruhe und Gelassenheit, ja
sogar Fröhlichkeit aus. Es ist eine Umgebung und Atmosphäre, in der ein
Meister kombinieren kann. Man denkt unwillkürlich an einen Sonntag oder
Feiertag. Die Leute sind festlich gekleidet und man hat den Eindruck, dass
es ein Tag ist, an dem die Leute aus ihren Alltag losgelöst sind und
etwas Besonderes, nicht Alltägliches tun wollen.
(Texte: Wolfgang Hauptwall, 1991)
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